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Nass-kalt-(bäh)wunderbar: „Family Bike Vibes“ at its best.

Passend zum aktuellen Wetter: ein kurzer Rückblick auf die letztjährigen Family Bike Vibes in Arosa. Wir hoffen, der Sommer hält doch noch irgendwann Einzug und in diesem Jahr zeigt sich wieder die Sonne. Bis dahin: Kaffee trinken und viel Spass beim Lesen.

Achtung, fertig los

An sich mag ich dieses leise Prasseln aufs Dach; es hat etwas Heimeliges, Gemütliches, finde ich. Leicht anders stellt sich die Lage dar, wenn es sich um das Dach der Gondel handelt, die uns gerade samt Freunden, Familie und Bikes aufs Schweizerische Weisshorn hinaufchauffiert… Das berühmte Arosa Bärenland unter uns verschwindet im nassen Grauschleier. Anders als gestern, wo wir sie vom aussichtsreichen Abenteuerweg aus noch in voller Größe und Pracht bewundern durften, haben es sich die vier aus bitterer Gefangenschaft geretteten Bären darin heute wohl drinnen gemütlich gemacht, und ich überlege einen Moment, wer von uns wohl der Schlauere ist. Ab 2.500 Metern wird es plötzlich still. Ich atme auf – nur, um kurz darauf festzustellen, dass wir die Ruhe tanzenden Schneeflocken zu verdanken haben, die der eisige Wind um unsere Gondel herum pustet. Okaaaay.

Wir sind oben, jetzt wird es ernst. Ich ziehe die Kapuze über den Helm, diesen möglichst tief ins Gesicht und wage mich hinaus. Die Kinder stürmen munter voran; von schlechter Laune keine Spur.  Beseelt von Abenteuergeist und Jagdfieber, dick eingepackt, Schicht über Schicht, spielt das so gar nicht augusthafte Wetter kaum eine Rolle. Viel wichtiger die Frage: Wo ist der nächste Checkpoint?

Das Eventformat
Outfamilie: Judith Lell-Wagener, Stefan & Luna Wagener
Text & Bilder:
Judith Lell-Wagener family_on_trails

Wir sind bei den Family Bike Vibes – dem seit 2019 in Arosa stattfindenden Bike-Event speziell für Familien. Und heute auf Schnitzeljagd quer durchs Gebiet. Rot – blau – schwarz – drei Varianten standen zur Wahl, mit mehr oder weniger Stationen, mehr oder weniger anspruchsvollen Trails, mehr oder weniger lang. Und irgendwie wurden wir Erwachsene nicht wirklich gefragt, sondern einstimmig entschieden: schwarz muss es sein! So sind wir – dick eingemummelt und zugeschnürt – bereits einige Stunden unterwegs, um fleißig Lösungsbuchstaben und Punkte zu sammeln … und ganz nebenbei die Bear Mountains im Bike Kingdom Arosa Lenzerheide und ihr hochkarätiges Trail-Angebot kennenzulernen. Die Rechnung und Kombi aus Bike-Spaß und Spiel geht auf, nicht nur für unsere Kinder – allesamt begeisterte und auch bereits erfahrene Trail-Fans, die wir mit ihren gerade mal acht bis zwölf Jahren schon entspannt ganz mit hinauf nehmen können. Auch wir „Großen“ lassen uns von der Freude ansteckt, und die Dankbarkeit, gemeinsam als Familien unserem liebsten Hobby frönen und intensive Momente wie diese erleben zu dürfen, wärmt uns von innen. Umso mehr als wir die spaßige Trailabfahrt vom Weisshorn heute für uns haben.

Weisshorn Trail

Griffiger als vermutet entlockt uns der abwechslungsreiche Trail unerwartete Jauchzer. Von der schottrig-kargen Mondlandschaft am Gipfel windet er sich flowig und nur selten steil hinab zu lieblichen Blumenwiesen mit torfigem Untergrund. Schon sind wir 500 Höhenmeter tiefer an der Scheidegg, wo wir auf den Wanderweg gen Maran treffen. Diesem folgen wir – den Graubündner Regeln sei Dank, nach denen auch jeder Wanderweg mit Mountainbikes befahren werden darf – über verspielt-buckelige Almwiesen und Wurzelpassagen zu unserer letzten Schnitzeljagd-Station, an der wir nochmal Teamgeist beweisen müssen. Von hier aus bringt uns ein Höhenweg gemütlich ausrollend zurück zum noch immer gut besuchten und lebhaften Festivalgelände an der Talstation der Hörnlibahn und beschließt damit offiziell unser Bike-Wochenende. Natürlich nicht, ohne vorher noch die vollständig abgehakte Schatzkarte gegen das wohlverdiente Abschlussgeschenk einzutauschen; Ehre, wem Ehre gebührt!

Hörnli Trail

Noch einmal schweift der Blick zum Hörnli Trail hoch, der sich wie eine murmelige Achterbahn in 113 Kurven über den Hang windet und den die Kids gestern mit ihrem Guide aus der Bikeschool Arosa Kehre um Kehre erobert haben. Sollen wir nochmal …? Ein letztes Mal? Schließlich waren wir Eltern gestern währenddessen separat auf Tour – auch so ein Ding, bei den Family Bike Vibes, an das wir uns gewöhnen könnten: Während die Kinder gut versorgt mit professionellen Bike Guides je nach Alter und Können im Skill Center üben oder eben über den besagten Hörnli Trail shreddern, haben wir uns über den nicht nur landschaftlich atemberaubenden Älpliseetrail zwischen Hörnli und Rothorn führen lassen und den seltenen Genuss, mal wieder kinderlos als Paar mit dem Bike unterwegs zu sein, voll ausgekostet – und haben vom Hörnli-Trail und dem, was unsere Kids darauf treiben, noch gar nichts mitbekommen.

Ein Blick auf die Uhr: Eine Fahrt mit der Bahn würde sich noch ausgehen … Ein Blick in die Gesichter: Let’s go! So tauchen wir noch einmal ein in den Schnee-Regen-Dunst, der den Blick gerade mal bis zur nächsten Kurve freigibt. Und noch einmal stellen wir fest: Es ist, was wir daraus machen. An diesem Wochenende war das eine ziemlich gute Zeit gemeinsam mit anderen Bike-Familien und einem spielerischen Event- und Rahmenprogramm, das ebenso liebevoll konzipiert wie umgesetzt wird und Kinder wie Eltern als Mountainbiker ernst nimmt. Und bei dem – dem wirklich fiesen Wetter, eisigen Fingern und dreckverschmierten Hosen zum Trotz – irgendwie alle ganz wunderbar auf ihre Kosten kamen.

Auf den letzten Metern öffnet sich der Himmel plötzlich und wir blinzeln freudig irritiert durch die verkrusteten Brillen. Ein Regenbogen geleitet uns zum Auto. Fast schon ein wenig kitschig, wäre es nicht so schön.

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